Fortsetzung

Die auf den ersten Blick abstrakt anmutenden Arbeiten enthalten immer wieder realistische Elemente, die anregen und Fragen stellen. Faszinierende Werke mit starker Ausdruckskraft und mythologischem Hintergrund erzählen von Dimensionen, die vielen Menschen verschlossen bleiben. Es sind innere Erlebniswelten, die sich in der Geistigkeit ausweiten. Es sind aber auch Parabeln vom anderen Ende einer Polarität, die in unserer vom Materiellen beherrschten Welt ins Ungleichgewicht gefallen ist. Der Betrachter wird so aufgefordert, seine eigenen inneren Erlebniswelten zu entdecken. Lyrische Abstraktion verbindet sich in den Bildern mit symbolhaften, naturalistischen Elementen. Die großartigen Lichteffekte lassen den Eindruck einer unendlichen Tiefe entstehen. Schwungvolle Linien und organische Figurationen erschaffen durch übergangslose Farbeffekte eine lebendige Dynamik, die dem Gesetz einer unüberschaubaren Ordnung zu folgen scheint.

Da der Künstler aus einem Land kommt, in dem die ästhetischen und moralischen Werte gestört sind, ist die Aufgabe schwierig, auf die Anforderungen der Zeit zu antworten. In seinen Bildern werden Bühnen beleuchtet, auf denen sich die unterschiedlichen Dramen der Zivilisation abgespielt haben. Hinter den Kulissen ist es dunkel und die Mythen, die dort geboren werden, sind tief und unverständlich. Deshalb sind die Bilder so fokussiert, dass sie mit einer verstärkten Beleuchtung die Konturen dieser komplexen Konstellation sichtbar machen. Der Künstler beschreibt die Mythen nicht, er zerlegt sie in einzelne Elemente und macht sie greifbar.

Der Mensch ist es, der Fragen nach seiner Existenz stellt; die Kunst ist es, die neben Sprache und Mythos die symbolischen Erlebnisse bei der Entdeckung der Welt mitgestaltet. Emir Vucic hat in seinen Bildern ein metaphorisches System der Symbole entwickelt, das komplexe Zustände des menschlichen Bewusstseins verdeutlicht. Dabei bleibt nichts dem Zufall überlassen: Die Struktur, die Ornamentik, die Wahl der Farben und die Lichtführung sind so komponiert, dass sie diese mythologischen Vorstellungen erklären. Die Gegensätze, wie Leben und Tod, Licht und Dunkelheit, finden hier ihren spezifischen Ausdruck im Verhältnis zu der traditionellen Vorstellung des Kosmos. Durchdringend zu den Archetypen, zu den Urbildern unseres Unterbewusstseins, hat der Künstler den Spielraum unserer Triebkräfte erobert, in dem sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft enthalten sind. 

(zitiert nach Pressemeldungen zu versch. Ausstellungen)